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Karnevalgesellschaft Narrenzunft Ochsenhausen e.V.

Der älteste urkundliche Nachweis der Fasnet in Kuhhausen (Ochsenhausen) ist ein Verbot derselben. In einer klösterlichen Schrift aus dem Jahr 1616 ist nachzulesen: "Die Fasnachtsnarren mit ihren Rösslen, Gaukelwerk, Reimen und Planetenlesen sollen abgeschafft sein; am eschrigen Mittwoch alle Fasnachtspiel und Kurzweil verboten, am weißen Sonntag keine Funkenfeuer brennen." Felix Michelberger, Oberlehrer in Ochsenhausen und Komponist des dortigen Narrenliedes, entdeckte dieses Verbot von 1616 in dem Buch von Anton Birlinger "Aus Schwaben". Michelberger illustrierte 1938 das klösterliche Verbot, das der Autor Birlinger seinerseits dem Werk "Eggman´s Illertal" entnommen hatte.

Im Jahre 1903 versuchte "das Narrencomitee" nach "langer Zeit eine größere Fastnacht-Aufführung" zu Stande zu bringen. Es wurde ein Umzug organisiert, unter dem Motto "Des Welt-Circus Wulf aus Amerika". Im Anschluss an den Umzug kamen laut "Cirkus-Direktion" im "Posthofe Ochsenhausens" verschiedene Programmnummern zur Aufführung. Das "Narrencomitee" bestand aus 10 Personen mit den heute noch bekannten Familiennamen wie zum Beispiel Baumann zur "Bierhalle", Eh, Föhr, Huchler, Mundbrod, Schmid, Unold, Wiest zum "Schloß", Wohnhaas und Pinens. Im Kreisarchiv in Biberach kann man den hiesigen Rottumboten einsehen. Es wurden Artikel und Anzeigen gefunden, die beweisen, dass um 1900 herum die "fünfte Jahreszeit" ihren festen Platz im Geschehen des "Marktfleckens" Ochsenhausen hatte. So kann man also ruhigen Gewissens behaupten, dass die Fasnet in Ochsenhausen ab 1903 organisiert worden war. Wurde "Karneval" von behördlicher Seite aus nicht verboten, feierten die Ochsenhauser nach mündlicher Überlieferung auch in den folgenden Jahren ihren Karneval. Die oft schlechte wirtschaftliche Lage und später der Erste Weltkrieg ließen jedoch nur "Kappenabende" in den verschiedenen Wirtschaften zu. Ein großer Umzug mit den dazu gehörenden Feierlichkeiten wurde 1909 veranstaltet. In Anlehnung an die damals aktuelle "Kolonialzeit" zog ein Umzug unter dem Motto "Einzug unserer schwarzen Landsleute in den Seeplatz Kuhhausen" durch den Marktflecken Ochsenhausens. Nachdem im Herbst 1927 mehrere Zusammenkünfte stattfanden und man viele Rücksprachen mit der großen Karnevalgesellschaft Ulm hatte, sie stellte sich als  "Pate" zur Verfügung, forderte man zum wiederholten Male den Veranstalter des Umzuges von 1909 - Apotheker Sartorius - auf, die Gründung der "Carnevalsgesellschaft" in die Hand zu nehmen. Er wurde gebeten, die nötigen Schritte zu tätigen. Am 28. November 1927 rief Wilhelm Sartorius zusammen mit "umtriebigen" Geschäftsleuten in Ochsenhausen eine Karnevalgesellschaft ins Leben. Der aus Gießen stammende Vereinsgründer konnte sich wie es hieß, "mit dem Fastnachtstreiben hier zu Lande nicht so recht anfreunden. Er war die federführende Kraft, die es immer wieder verstand, die Fastnacht in geordnete Bahnen zu lenken." Allerdings musste man sich 1928 mit Veranstaltungen im "Adler" und "Postsaal" begnügen, da die neue Turn- und Festhalle noch nicht fertig gestellt war. Es erschien eine Narrenzeitung , die einen bedeutenden Geldbetrag einbrachte. Auch die bestehenden, behördlichen Bestimmungen ließen es bedenklich erscheinen, eine größere Veranstaltung abzuhalten. Trotzdem fasste man den Entschluss, einen Umzug zu veranstalten.  Mit Hilfe des Schultheißen August Eh und durch oberamtliche Fürsprache mit der Begründung, dass unsere Umzüge schon in die Zeit des Klosters zurückreichen würden und somit "historisch" begründet seien, wurde der Umzug 1928 samt der Narrenzeitung ein voller Erfolg.

In den Reihen dieser Karnevalgesellschaft, die sich der schwäbisch-alemannischen Fasnet verbunden fühlte, wurde 1970 der Entschluss gefasst, eine Narrenzunft zu gründen. Außerdem wollten die Narren dem Alemannischen Narrenring beitreten, um das heimatliche Fasnetsbrauchtum möglichst unverfälscht weiter zu pflegen. Somit wurde also in den Jahren 1970 bis 1971 unsere Narrenzunft geboren. Seither findet immer am Rueßigen Freitag der weitbekannte Kuhhauser Nachtumzug statt. Zu dem Rankenweible und dem Roale gesellte sich 1986 der Sterngucker.

Alle zusammen bilden eine harmonische Ergänzung zwischen Karneval  und Fasnet. Gemeinsam pflegen sie heimatliches Brauchtum und haben dazu beigetragen, dass Ochsenhausen zu einer Fasnetshochburg im oberschwäbischen Raum geworden ist, die aus dem kulturellen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken ist.

LWK-Nummer 18
BDK-Nummer 1205
Stadt Ochsenhausen
Gründungsjahr 1928

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Anerkannte Brauchtumsfiguren

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Sterngucker
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